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Wintersemester 2000-2001
STÄDT. SEEPOLIZEI WACHE ZÜRICH - MYTHENQUAI (Oi/O)

PLANUNG ZÜRICH WOLLISHOFEN (P)

 



   

NEUBAU DER WACHE MIT ÜBERSPANNUNG DER GEDECKTEN ANLEGESTELLE FÜR BOOTE. KONSTRUKTIVE UND TRAGTECHNISCHE BETREUUNG.

....zuerst das Dienende, dann die Stimmung und zuletzt der Effekt. Immer wieder versuche ich, diese drei Ebenen in meinem Kopf aufrecht zu halten - ob beim Stadtobjekt, beim Gebrauchsgegenstand, beim Technischen, in der Natur oder in der Baukunst. Mit der Priorität des Dienenden suche ich am deutlichsten die Distanz zum Zeitgeist. Aber auch Stimmung: Visualisieren, was die Sache ist, wo sie steht, wie sie gebaut ist. Etwas, das ich anderen mitteilen kann. Erst im dritten Schritt, einem zweiten Blick zugänglich, sollte der Gegenstand Effekte offenbaren, die aber nie das Dienende und die Stimmung überlagern.

Natürlich gehe ich von dem Satz aus: Alles ist schön. Wenn Sie den Gebrauch der Architektur als urbanen Gegenstand im Auge haben, sich setzen, etwas länger anschauen, was Sie vorfinden, sich Zeit nehmen: Sie werden an jeder Sache Eigenschaften finden, die Sie entwickeln können. Wem dies gegeben wurde, der wird alles schön finden, aber nicht dekadent schön, rührend, multikulti, nicht vermischt und indifferent. Er wird bewerten und er weiss; da passieren Fehler. Und keineswegs verzichtet er dabei auf Kreatives. Es ist wie bei einer japanischen Sportart: Ich nähere mich und im richtigen Augenblick, am richtigen Punkt wandle ich die Sache um. Manchmal gelingt das. Auf den ersten Blick ist es meist weniger spannend als die Monumente des Zeitgeistes.

Schauen Sie sich Weiden am Bach an: für mich die perfekte technologische Form. Nichts hält das Ufer eines Baches besser - keine freien, spontanen Böschungen, keine kunstvollen Abmauerungen. Aber die Weiden sehen alt aus, das gab's schon, das finden Sie langweilig. Doch das enthält wahnsinnig viel Wissen, wahnsinnig viel menschliche Arbeit. "Hands to work and heart to God": das fällt schwer, zumal ich nicht gläubig bin, diese Geduld. Eine solche einfache Perfektion will uns nicht mehr gelingen .....

       

rev. 04.01.2005
krayer@arch.ethz.ch