Herbstsemester 2007
AUTOMUSEUM ZÜRICH, GEROLDSTRASSE

 



   

INDUSTRIEQUARTIER
Die Parzelle gehörte einst dem bekannten Industriequartier an. In den 60er Jahren wurde die lärmintensive Hardbrücke gebaut, welche die schmale Grundstücksseite tangiert. Nachdem die Industrie Zürich und Europa verlassen hat, wurden schöne Parzellen in Zentrumsnähe frei, für welche sich noblere nichtindustrielle Bauprogramme zu interessieren begannen. Heute ist das funktionale Spektrum sehr bunt: Freizeiteinrichtungen der Zürcher Szene, Hotels für Massentourismus, Industrieparks, Reste einer industriellen Ansiedlung und neue Hochhäuser für führende Branchen des Dienstleistungssektors. Das Grundstück wird von drei Seiten wahrgenommen: von der Geroldstrasse unten, von der Hardbrücke oben und aus dem Geleisefeld um den Bahnhof Hardbrücke.
AUTOMUSEUM
Man stellt Autos aus, um drei Attraktionen zu inszenieren. Zunächst ist ein älteres Fahrzeug ein Artefakt, das von der vergangenen Technik zeugt. Zweitens reflektiert es einen bestimmten Stil der mobilen Kultur, der trotz Alter animieren kann. Und drittens sind Autos auch Objekte der Kunstbetrachtung. Ein Automuseum ist kein Elitetempel, und schon gar nicht einer bestimmten Automarke verpflichtet. Im Automuseum werden Artefakte, Ereignisse und Zusammenhänge für den Mainstream-Besucher ausgestellt und erläutert. Neben den Räumen für eine Sammlung entsteht auch eine Halle für Wechselausstellungen
TENDENZ
Städte, die ich liebe und an deren Erhaltung und Weiterentwicklung ich arbeite, sind Städte mit Gestaltqualität. Zugegebenermassen handelt es sich nicht um eine einfache, exakt beschreibbare Gestalt, sondern um eine mehrfach geschichtete und verwachsene Figur mit Dominanten und unzähligen Hintergrundszenarien. Vom Ensemble zu reden wäre daher angemessener. Keinesfalls übersehe ich die unzähligen Stadtteile voller Kontraste und Chaos, genauso wenig wie die fallengelassenen Industrieviertel. Sie sind das Produkt unserer historischen und gesellschaftlichen Vielfalt. Doch anders als mancher neomoderner Kollege weigere ich mich, die Fragmente und Sedimente zu Unorten zu deklarieren. Den Verdacht werde ich nicht los, dass die apokalyptische Feststellung von Unorten lediglich den radikalen Eingriff ohne Kontexte und Konventionen legitimiert. In „prima lettura“ nahm ich jeden Ort, den ich bauen durfte, zunächst als fremd und unvollkommen wahr. Erst durch historische Analyse und Einfühlung überwand ich diese Fremdheit. Und dass auch banale Orte Herkunft und Herzblut aufweisen, soll keiner bezweifeln. 99.9% aller Orte zeigen eine kleine und alltägliche Architektur „auf den zweiten Blick“, die den Weg in tie akademischen Lehrbücher nur selten findet.

       

rev. 26.02.2008
buschmann@arch.ethz.ch

 

 

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