Lukas Imhof

Architektur der empirischen Form




Als "empirisch" bezeichnen wir eine antikonzeptionelle Formfindung in der Architektur, die mehr auf Erfahrung und überprüften Referenzen denn auf Konzepten oder Regelwerken beruht.

Empirische Formen in der Architektur und im Städtebau entstehen einerseits aus der Erfahrung um ihre Wirkung auf das menschliche Auge und das Empfinden des menschlichen Körpers, den ?inneren und äusseren Kräften' eines Bauwerkes und aus empirisch erarbeitetem Wissen um die Wirkung der einzelnen Teile, etwa bei der Erarbeitung einer Fassadenkomposition.

Formen und Anordnungen von Grundriss und Schnitt werden empirisch erarbeitet - aus der Erfahrung um ihre Benutzung durch die Bewohner, aus dem Wissen um ihre räumliche Wirkung und anhand von überprüften, also gebauten, Referenzen. Empirische Formen entstehen ohne mathematische oder geometrische Regelwerke, wie es im einfachsten Fall die Einführung einer Symmetrieachse ist.

Architektur der empirischen Form ist also eine antikonzeptionelle, antiintellektuelle Architektur. Sie entsteht durch geduldiges, die richtige Form, den richtigen Raum, die richtige Öffnung suchendes Entwerfen, wobei dazu die vom Architekten selbst und von anderen vor ihm gemachten Erfahrungen um die Wirkung der architektonischen Elemente, der Anordnung und Gestaltung der Räume, der Fenestrierung usw. architektonischen oder stilistischen Regelwerken vorgezogen werden.

Die Publikation No.7 Architektur der empirischen Form ist eine Anthologie, die einige der schönsten und bezeichnendsten Beispiele zwischen 1890 und 1950 versammelt, etwa Bauten und Planungen aus dem Umfeld Camillo Sittes, der Arts-and-Crafts Bewegung, der Amsterdamer Schule oder des Landistils bis hin zu neueren Beispielen etwa von Gabetti e Isola, Miguel Fisac oder Le Corbusier.

 

       

rev. 09.05.2005
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